Kommentar: TV-Situation

Kommentar: TV-Situation

Seit nun 18 Monaten liegen die Übertragungsrechte für die DKB Handball-Bundesliga und die 2. Handball-Bundesliga bei Sky und SportA. Zeit für einen kleinen Rückblick – Was hat sich seit dem Wechsel von Sport1 zu Sky und den öffentlich-rechtlichen Sendern getan? Wie haben sich die Einschaltquoten und die damit verbundene mediale Reichweite entwickelt? Wie schaut es mit den Zuschauerzahlen vor Ort in den Hallen aus? Sind die Befürchtungen der Fans, dass Handball nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Pay-TV dahin vegetiert, wahrgeworden? Oder findet Handball doch wieder vermehrt in den heimischen Wohnzimmern statt? Fragen über Fragen… 

Aber fangen wir von vorne an. Im November 2016 unterzeichnete die Handball-Bundesliga den neuen Rechtevertrag für die Übertragung der DKB Handball-Bundesliga und der 2. Handball-Bundesliga. Gewinner eines großen Bieterwettstreits waren Sky und SportA, die Rechteagentur der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF inklusive der Dritten Programme. Überzeugen konnte man vor allem mit der Aussicht, nahezu alle Spiele zu übertragen und somit die Professionalisierung im deutschen Handball noch weiter voranzutreiben. – Die HBL feierte, die Clubs waren vorsichtig optimistisch, die Fans entsetzt. Handball im Pay-TV! Spiele Sonntagsmittags um 12:30 Uhr! Samstags kein Handball mehr! 

Viele Fans waren schockiert über die Entscheidung. Sie haben kein Interesse an Pay-TV und noch weniger daran, für ihren geliebten Sport zu bezahlen. – Aber wie sieht es heute, knapp anderthalb Jahre nach der Entscheidung, tatsächlich aus? Lasst uns einen Blick auf die Zuschauerzahlen in den Hallen, die Einschaltquoten der Fernsehsender und die Wahrnehmung der Fans werfen.

Leere Hallen oder richtige Hexenkessel?

Eine der größten Befürchtungen war, dass die Hallen leer bleiben und die sonst so nahbaren Spieler nur noch vor einem Bruchteil der gewohnten Kulisse bis zur letzten Sekunde um jeden Ball und jedes Tor fighten. Aber ist dem auch wirklich so?

Betrachtet man die Gesamtzahl der Zuschauer je Saison, so ist diese seit der Saison 14/15 rückläufig. – Da waren die Übertragungsrechte noch bei Sport1. Wie kann das sein?

Grund 1 – Die Insolvenz des HSV Handball in der Saison 15/16. Mit den Hanseaten fiel einer der Zuschauermagnet in der Fremde weg. Hinzu kommt, dass durch die Einstellung des Spielbetriebs innerhalb der Saison alle bis dahin gespielten Spiele aus den Wertungen – inkl. der Zuschauerstatistik – gestrichen wurde.

Aber auch danach konnten die Zahlen von 14/15 nicht wieder erreicht werden.
Grund 2 – Nicht nur auswärts zog der HSV jede Menge Menschen in die Hallen. Mit der heutigen Barclaycard Arena (damals noch O2-World) verfügten die Norddeutschen über eine der größten Heimspielstätten in der Liga.

Die folgenden, eher geringen Schwankungen bei der jährlichen Gesamtmenge lassen sich vor allem mit den unterschiedlichen Hallenkapazitäten der Auf- und Absteiger erklären.

Blickt man jedoch auf die Entwicklung des Zuschauerschnitts je Spiel, lassen sich durchaus auch Auswirkungen durch den neuen Fernsehvertrag und die daran gekuppelten Anwurfzeiten erkennen. Wie von vielen Fans befürchtet und vorausgesagt, kamen in der Saison 17/18 im Schnitt fast 200 Zuschauer weniger in die Halle. – ABER bereits zur aktuell laufenden Saison 18/19 wurde darauf reagiert und die Anwurfzeiten korrigierend angepasst. Wie erfolgreich das sein wird, werden wir wohl am Ende der Saison sehen müssen…

Wie schaut es vor den TV-Geräten aus?

Ein weiterer Dorn im Auge der Handball-Fans war die Tatsache, dass sie plötzlich für ihren geliebten Sport bezahlen sollten, damit sie ihn auch weiterhin im heimischen Wohnzimmer verfolgen können. Überall war zu lesen „Ohne mich, dann bleibt der Fernseher halt aus“ oder „Für Handball extra zahlen? Ich zahl doch schon GEZ…“
Wie es tatsächlich mit den Einschaltquoten aussieht, lässt sich nur schwer sagen, da sich Sky dies betreffend sehr bedeckt hält. Aber es ist festzuhalten, dass sich die Anzahl der übertragenen Spiele auf jeden Fall vervielfacht hat. Mittlerweile werden nahezu alle Spiele übertragen, zu Zeiten von Sport1 waren es vielleicht 25 %. Das führt wiederum dazu, dass seitens der Liga Aussagen getroffen werden können, dass sich die medialen Kontaktzahlen fast verzehnfacht haben.

Aber was bleibt tatsächlich?

Das ist eine gute Frage: Was bleibt tatsächlich? Blickt man allein auf die Entwicklung der Zuschauerzahlen vor Ort, so haben die Fans wohl zumindest insoweit recht behalten, dass die Anwurfzeiten contraproduktiv für volle Hallen ist. Zeitgleich konnten aber die medialen Kontaktzahlen stark gesteigert werden, was vor allem den Vereinen in der Vermarktung zugute kommen dürfte. Außerdem muss festgehalten werden, dass die Qualität der Übertragungen gestiegen ist und mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ein Partner gewonnen werden konnte, der die breite Masse der Sportinteressierten erreicht, nicht nur die Handball-Fans. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass sich Liga, Vereine und Rechteinhaber bereits zur laufenden Saison aufeinander zu bewegt haben und die stark kritisierten Anwurfzeiten korrigierend angepasst haben.

Es bleibt also zu hoffen, dass die grade laufende Heim-WM und das euphorisierende Spiel unserer Nationalmannschaft aus dem einen oder anderen Durchschnitts-Sportfan einen Handball-Fan macht – denn da sind sich wohl alle Beteiligten einig: Unser schöner Sport hat noch so viel mehr Potential!

2 Gedanken zu „Kommentar: TV-Situation

  1. Ich hätte sehr gerne mal eine Statistik, wer guckt den geilsten Sport der Welt in der Halle, wer vorm TV und… wer würde ihn gerne sehen. Falls ihr mal dazu etwas findet, wäre das vielleicht sogar für den „Berliner Pulloverfan“ interessant.
    Vielleicht nehmt ihr als Aufhänger eine These: Es gibt viel mehr Handballverrückte als Handballvereinsverrückte. Und die befinden sich sonntags nun einmal selbst in einer Provinzturnhalle, anstatt sich auf den Weg in die Handballtempel zu machen, obwohl sie schon sehr gerne SGF, RNL, SCM und Co zusehen würden.
    Wäre dem so, und würden Übertragungs- und Spielzeiten das dann berücksichtigen, könnten der Zuschauerzuspruch sich deutlich steigern und damit für frisches Geld in klammen Kassen sorgen. Aber nur eine These 😉

    1. Hi Oliver,
      danke für dein Feedback. Wir setzen das Thema auf jeden Fall mal auf unsere Liste, ein paar Zahlen dazu habe ich tatsächlich vorliegen. Zumindest zum Handball-Fan und seinen „Konsumgewohnheiten“ in der Halle 😉 Es wird aber sicherlich noch ein bisschen dauern, bis wir dazu einen guten Artikel hinbekommen. Wir hoffen du schaust auch bis dahin mal wieder vorbei.
      Besten Gruß aus der Kabine
      Janina

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