Das Spielerfazit zur WM

Das Spielerfazit zur WM

Wir haben euch vor der WM unsere Erwartungen mitgeteilt, mit Beginn des Turniers die Spieler auf die etwas andere Art vorgestellt und auch schon ein Fazit für die WM gezogen. Heute wollen wir abschließend noch einen letzten Blick auf das Team werfen und kurz festhalten, wie wir die einzelnen Leistungen der Jungs beurteilen.

Die Torhüter

Andreas Wolff – Der große, böse Wolff hielt über weite Teile des Turniers nicht nur was er versprach, sondern vor allem auch was auf sein Tor kam. Er war immer wieder für die ganz großen Paraden da – aber ebenso auch für den einen oder anderen lockeren Spruch. Besonders nach dem Spiel gegen Kroatien zeigte er, was für ein Sportsmann in ihm steckt, als er seinen Vereinskameraden Duvnjak vor den Reportern verteidigte.

Silvio Heinevetter – Er ging als Nummer 2 ins Turnier und war da als er gebraucht wurde. Überraschend ruhig und ungewohnt gefasst zeigte der Berliner, dass er mehr kann, als spektakulär in der Luft liegend Bälle zu parieren und mit den Schiedsrichtern zu diskutieren. Er nahm sich Andi Wolff zur Seite, als der in der Halbzeit eines Vorrundenspiels Dampf ablassen musste und sorgte mit flotten Sprüchen bei den Pressekonferenzen für allgemeines Lachen. Notiz am Rande: Auch er konnte sich in die deutsche Torschützenliste eintragen. 

Linksaußen

Uwe Gensheimer – Er gilt als der ewig Ungekrönte und auch in diesem Jahr hat es nicht sollen sein. Aber er hat es endlich geschafft seine Weltklasse auch im Nationaltrikot auf die Platte zu bringen. Mit seinem Lauschangriff gegen die Franzosen in der Vorrunde sorgte er bundesweit für Schmunzler und sammelte einige Sympathiepunkte. Mit 56 Toren viertbester Schütze des Turniers. 

Matthias Musche – Im kleinen Finale wurde er zur tragischen Figur, als er Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit den Pass an den Kreis spielen wollte und damit den französischen Siegtreffer ermöglichte. Dennoch bleibt auch hier ein mehr als positiver Eindruck. Wenn’s nötig war, ermöglichte er Uwe die Verschnaufpause auf der linken Außenbahn und traf auch kaltschnäuzig vom Siebenmeterpunkt. Und wohl kaum einer sang so voller Stolz und Inbrunst die Nationalhymne mit, wie der geborene Magdeburger.M

Rückraum Links

Finn Lemke – Der Abwehrchef kam überraschend wenig zum Einsatz, war aber zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Gilt er seit der EM 2018 als einer der emotionalen Leader, sorgte er auch dieses Mal wieder für Stimmung und Euphorie im Team und auf den Zuschauerrängen.   

Fabian Böhm – Wenn’s im Positionsangriff vermeintlich aussichtslos schien, packt der Recke die Kelle aus und zog einfach durch. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hatte er sich in den Turnier-Modus gespielt und steigerte sich von Spiel zu Spiel. Nach Gensheimer der zweitbeste deutsche Torschütze.

Steffen Fäth – Der sensible und feinfühlige Rückraumlinke hatte dieses Mal das Vertrauen von Bundestrainer Christian Prokop und zeigte prompt, was er kann. Leider konnte er seine Leistung nicht konstant genug abrufen, sodass er oft doch nur auf der Bank saß. Im Hauptrunden-Spiel gegen Frankreich löste er zweimal (ungewollt) den Time-Out-Buzzer hinter der Bank aus – in den Spielen danach stand der Buzzer wieder am Tisch des Kampfgerichtes.

Paul Drux – Der 25-jährige zeigte das gesamte Repertoire seiner Würfe. Egal ob 100 km/h-Brechstangen-Wurf oder stilvoller Heber, man durfte von fast jeder Rückraum-Position seine Tore feiern. In der Abwehr teils noch etwas ungestüm – war da etwa Teammanager Olli Roggisch das Vorbild? Mit acht Zeitstrafen und einer roten Karte steckt auf jeden Fall auch noch der Bad Boy in dem Fuchs. Er ist auf jeden Fall ein Mann, der Hoffnung auf die Zukunft macht.

Rückraum Mitte

Martin Strobel – Er hat es allen bewiesen: Zweite Liga ist nicht zweite Wahl! Wie erwartet nahm der Balinger auf der Rückraummitte vor allem die Rolle des Denkers und Lenkers ein, er war das Gehirn des deutschen Angriffs und sorgte für die nötige Ruhe. Umso härter dann die Diagnose: Innenbandriss und vorderes Kreuzband gerissen. Nun also #Comebackstronger statt Nationalmannschaft und Aufstiegskampf. 

Fabian Wiede – Je länger das Turnier dauerte, desto mehr spielte sich der Fuchs in einen Rausch. Er sorgte immer wieder mit seinen Pässen oder unerwarteten Würfen aufs Tor für Überraschungsmomente. Wer es bisher nicht wusste, hat es spätestens jetzt auf dem Schirm: Der Junge hat das Spiel verstanden und weiß auch selbst, wo das Tor steht. Wenn es eng wurde, zog er auch mal selber ab und traf – vorzugsweise direkt in den Winkel. Und es hat sich für ihn gelohnt Verantwortung zu übernehmen, wurde er doch mit der Nominierung für das Allstar-Team belohnt. 

Tim Suton – 13. Spielminute, Deutschland vs. Spanien, Hauptrunde, das letzte Spiel – sein erster Auftritt auf dem WM-Parkett. Anfang Januar wurde er noch aus dem 18er-Kader gestrichen, schaffte nicht den Sprung in den endgültigen WM-Kader und dann das: Martin Strobel verletzt sich schwer. Er spielte mutig und frei auf und nach nur einer Minute hatte er es geschafft: Sein erstes WM-Tor war erzielt. Gegen Spanien zeigte er, was in ihm steckt, gegen Norwegen fehlte ihm dann leider noch die Erfahrung und Konstanz. Trotzdem ist festzuhalten: Mit ihm werden wir noch Spaß haben. 

Rückraum Rechts

Steffen Weinhold – Viele hatten sich aufgrund seiner Erfahrung und seiner Rolle beim THW viel von ihm versprochen. Erreichen konnte er die Erwartungen nicht so ganz. Er startete durchwachsen ins Turnier, dann zog er sich eine Zerrung im Adduktorenbereich zu und konnte nur noch angeschlagen im Team verbleiben. Wenn er spielte, zeigte er sich beweglich – sowohl im 1-gegen-1 als auch in der Definition seiner Rückraumposition. So hart er selbst angegangen wurde, genauso kompromisslos packte er in der Abwehr zu.

Franz Semper – Der Youngster im deutschen Team konnte erste Erfahrungen auf internationaler Ebene sammeln. Nach einigen Kurzeinsätzen stand er gegen Serbien schließlich in der Startaufstellung – und musste im Anschluss in der Hauptrunde Platz für Kai Häfner machen. Bemerkenswert: Er blieb dennoch die gesamte Zeit beim Team, war stets im Trikot dabei und feierte und litt mit den Jungs. Daumen hoch für so viel Teamgeist! So einen Sportsmann werden wir in der Zukunft sicherlich noch brauchen. 

Kai Häfner – Der Nachrücker. Von der Couch ins Trikot und ab auf die Platte. Die Rolle dürfte ihm bekannt vorgekommen sein. Zur Hauptrunde sollte er den Youngster aus Leipzig ersetzen und brachte dafür die nötige Erfahrung mit. Er fügte sich nahtlos ins Team ein und konnte in der Hauptrunde vor allem gegen Kroatien und Spanien zeigen, wofür er da ist. Im Halbfinale gegen Norwegen fehlte dem Schwaben aber genau wie dem Rest des Teams die nötige Power. 

Rechtsaußen

Patrick Groetzki – Der Bundestrainer setzte auf ihn, das Vertrauen konnte er aber leider nur selten zurückzahlen. Viele hätten sich daher einen zweiten Mann auf der rechten Außenbahn gewünscht. Innerhalb der Mannschaft hatte der Mannheimer eine wichtige Rolle, defensiv wusste er auch meist zu überzeugen, offensiv hatte er aber noch viel Luft nach oben und präsentierte sich zu häufige als Chancentod bei freien Würfen aus bester Position.

Kreis

Patrick Wiencek – Der gebürtige Duisburger bildetet zusammen mit seinem Kieler Vereinskollegen Pekeler den Mittelblock im deutschen Abwehrzentrum. Seine Leistung am eigenen Torkreis machte ihn zu einem der besten Abwehrspieler des Turniers. Im Angriff war er teils zu unbeweglich, konnte aber die nötigen Lücken für seine Kameraden schaffen, indem er mehrere Spieler gleichzeitig band. Wie kompromisslos er seine Aufgabe in der Abwehr wahrnimmt, sah man im kleinen Finale gegen Frankreich, als er früh in der zweiten Halbzeit mit einer roten Karte auf die Tribüne geschickt wurde. 

Hendrik Pekeler – Zusammen mit “Bamm-Bamm” stellte der 2,03-Meter-Mann unter Beweis wie eingespielt sie als Duo im Abwehrzentrum sind. Trotz seiner Größe zeigte Peke sich sehr beweglich, sowohl gegen flinke Angreifer in der Abwehr, als auch als Störenfried am gegnerischen Torraum. Als Chef der deutschen Abwehr nahm er sich im Halbfinale zu viele Zwangspausen auf der Bank, sodass er das Ende von der Tribüne aus verfolgen musste.

Jannik Kohlbacher – Wie erwartet war der offensivstarke Löwe aus der Zebraherde am Kreis die Nummer eins im Angriff.  Er beeindruckte mit einer starken Wurfquote und stand auch in der Abwehr seinen Mann. Seine Kollegen beschrieben ihn im Laufe des Turniers als “Urmensch”, “Phänomen” oder auch “quadratisch-praktisch-gut“ in Anlehnung an den Werbeslogan von Ritter Sport Schokolade. Angewiesen auf die Anspiele aus dem Rückraum, machte er das Beste aus den insgesamt zu wenigen Pässen, die bei ihm landeten. 

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